Verden. Vissel. Fahrradinfrastruktur.
Vielerorts in Europa wird vorgemacht, wie die Lebensqualität in Städten durch weniger motorisierten Individualverkehr deutlich gesteigert werden kann. Nur hier in Deutschland hängt man wieder hinterher. Wer zu Fuß oder mit Fahrrad unterwegs ist, bleibt Verkehrsteilnehmer:in der zweiten Klasse. Traurig. Frustrierend. Unverständlich.
Wer sich mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt, sollte mit anderen darüber sprechen und sie auch dafür begeistern.
„…weil ihr unsere Zukunft klaut!“, Överblick; 03.03.2023
– Noah Baumann (FFF Verden)
Warum ist das so? Und was können wir tun um das Thema anzusprechen? Um eine echte Verkehrswende zu fordern? Um erste positive lokale Änderungen zu unterstützen? Das hat sich auch die Verdener Ortsgruppe von Fridays for Future gefragt und zur Fahrraddemo aufgerufen. Mit einer Einladung dazu sind sie in unsere Instagram DMs geschlittert. 🤠

Am 30. Juni um 13:30 sind wir mit einer Handvoll Menschen in Richtung Verden gestartet und haben den langen Weg über Dreeßel gewählt. Nicht nur um weitere Radfahrer einzusammeln, sondern auch, weil weiterhin der lebensschützende Fahrradweg auf der L171 fehlt. Da fällt die unzureichende Fahrradinfrastruktur schon auf dem Hinweg zur Fahrraddemo auf.

Mit einem Endkilometerstand von circa 31km – 5km mehr als die direkte Strecke – sind wir dann kurz vor 16 Uhr im Park angetroffen. Ein paar duzend Menschen hatten sich versammelt, bevor die Begrüßung begann. Viel wurde nicht gesagt – die Redebeiträge gab es nach der Tour durch die Stadt – , aber es gab einen extra lobende Erwähnung für die lange Anreise unserer Gruppe.

„Vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid – sogar Leute aus Visselhövede – (Lauter Jubel der Teilnehmer:innen) – ja also immerhin 26km, glaube ich.
Wir werden auch gleich starten. Ich glaub‘, ihr wisst alle, warum wir hier die Demo machen, sonst wärt ihr nicht gekommen. Wir wollen natürlich alle hier ein bisschen Verkehrswende in Verden, aber auch überall sonst.„
Die Demoroute hat einmal rund durch die Stadt geführt und dann wieder zurück in den Allerpark. Große Kreuzungen, Kreisel und Hauptstraßen konnten von duzenden Fahrradfahrer:innen geflutet werden. Beeindruckend zu sehen, wie viel mehr Personen auf die Fahrbahn passen, wenn nicht alle mit dem eigenen Auto unterwegs sind. Und wie viele Personen sich trauen an solch einer abgesicherten Tour teilzunehmen und die Fahrbahn zurückzuerobern. So sicher sollte es sich immer anfühlen für alle Verkehrsteilnehmer:innen und nicht nur die in tonnenschweren, komplett geschützten, motorisierten Fahrzeugen.

„Genau deswegen brauchen wir einfach in der Stadt mehr verkehrsberuhigte Zonen, wo sich die Leute auch frei und ohne ständig schauen zu müssen ‚wo kommt ein Autos, was mich eventuell anfahren könnten‘ fortbewegen können.
Und theoretisch hat Verden seit einiger Zeit eine neue verkehrsberuhigte Zone in Form der Fahrradstraße der Ostertorstraße, durch die wir auch durchgefahren sind.„
Um die Ostertorstraße drehen sich seit Monaten viele Gespräche in Verden. Nach Umbau ist sie zur Fahrradstraße geworden. Gestritten wird sich nun, wie strickt die Regeln sein sollen. Geplant war es, dass kein Durchfahrverkehr für Autos erlaubt sein würde, also nur Anlieger:in, Besucher:in von Geschäfte und eine Ausnahme für Busse. Und dann gibt es auch noch die Frage, wie das kontrolliert werden soll, ob die Nutzung eines mechanischen Pollers an beiden Enden in Frage kommt.

„Also abschließend können wir sagen: Wir wollen die Fahrradstraße, wir wollen auch noch mehr Fahrradstraßen und noch mehr Fahrradwege. Damit Verden eventuell irgendwann mal fahrradfreundlich wird. Und was natürlich auch noch cool ist, ist ein bezahlbarer und regelmäßig fahrender ÖPNV, auch im Verdener Umfeld.
Ja, vielen Dank. Ich glaube wir haben jetzt auch keine Redebeiträge mehr. Offiziell ist dann die Demo gleich beendet. Ihr könnte aber natürlich alle noch ein bisschen im Allerpark bleiben. Es ist schön hier. Das Wetter ist cool. Also macht was ihr wollt.„
Die Entscheidungen zur Fahrradstraße wurde Anfang des Jahres vertagt. Zur zeit wird nun erstmal das Fahraufkommen gemessen und es werden Rückmeldungen von Bürger:innen gesammelt. Auch deswegen ist es zu dieser öffentlichen Demo gekommen. Wir hoffen, dass die Verdener Politik dieses Zeichen gesehen hat. Einige lokale Politiker:innen waren ja auch mit dabei. Es ist zeit zu Handeln und mehr für die Verkehrswende zu tun, anstatt an allem alten festhalten zu wollen, einfach nur, weil das immer so lief. Es ist an der Zeit auch mal an andere Verkehrsteilnehmer:innen zu denken, als nur die mit Auto.

Wir wollen vorne mit dabei sein! Vorreiter werden für die Zukunft! Warum nicht hier? Wieso wird Fortschritt in Vissel, Verden und Deutschland immer zurückgehalten? Wieso werden Autos weiter priorisiert, wenn viele Mitbürger:innen sich diese gar nicht leisten können? Wenn der Planet sich diese nicht leisten kann? Wenn es bessere Alternativen gibt?
Kommst du mit zur nächsten Demo?
Du hast selber eine Aktion geplant, die perfekt für unsere Gruppe wäre, oder möchtest dich uns anschließen um in Zukunft für mehr Aufmerksamkeit zu sorgen? Melde dich 🙂
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